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Morsumer Kulturfreunde e.V. | 04.09.2010 - 19:18:37 Uhr
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Das Dorf Morsum   Drucken  eMail 
Der östliche Teil der Insel, in alten Aufzeichnungen auch Kirchspiel Morsum genannt, ca. 1060 ha groß, bestand schon immer aus fünf einzelnen Dörfern oder auch Ortsteilen. Im Osten beginnend mit Kleinmorsum, dann Großmorsum und weiter in Richtung Archsum Schellinghörn mit den Splittersiedlungen Klampshörn und Holm. Im Süden dann Osterende und Wall, hier wieder aufgeteilt in Hooger- und Liiger Wal.
 
Von den Chronisten wurde Morsum mehrfach als das sinnvollste und vernünftig angelegteste Dorf bezeichnet. Die im länglichen Kreis um Kirche und Schule und den flutfreien Ackerflächen angelegten Ansiedlungen, ermöglichten früher von jedem Haus den freien Blick zur Kirche und Schule. Wo und wie gebaut wurde, dazu bedurfte es keines Flächennutzungsplanes. Die Vorgaben dafür lieferte die Natur. Gebaut wurde nur auf höheren Standorten. Zum einen um einigermaßen sturmflutsicher zu sein, aber auch damit Abwasser und Sonstiges vom Grundstück ablaufen konnte. Aber ebenso war ein hoher Grundwasserstand notwendig, damit genügend Wasser für Mensch und Tier zur Verfügung stand.
 
Vom Morsum-Kliff und der buckligen Heidelandschaft und auch den anderen erhöhten Lagen hat man bei gutem Wetter einen wunderbaren Ausblick über die sich filigran abzeichnende Rantumer Bucht, bis zu den südlich gelegenen Inseln und Halligen. Und ebenso nach Norden über die Keitumer Bucht, über List dann zum dänischen und deutschen Festland. Während das Morsum Kliff über 20 m über NN liegt, fällt das Gelände nach Westen stellenweise auf 2,50 m ab. Bei einer schweren Sturmflut 1928 fuhr das Westerländer Rettungsboot im Liiger Wal von Haus zu Haus, um den Menschen dort zu Hilfe zu kommen. Noch davor gab es, östlich des jetzigen Morsumer Badestrandes, auch eine Schiffs-Anlegestelle. Früher soll es von hier eine Fährverbindung, eine Viehfähre die auch Brennmaterial transportierte, zum Festland gegeben haben.
 
Nördlich des Hindenburgdammes war damals die Anlegestelle des Eisbootes. Wenn durch starken Eisgang die Schiffsverbindung zwischen Munkmarsch und Hoyer eingestellt werden musste, war das Eisboot die einzige Verbindung zum Festland. Ein in der Nähe des Ufers gelegenes kleine Gebäude, bot den Menschen und auch einem Pferdegespann bis zur Abfahrt oder Ankunft des Eisbootes Schutz. Das Restaurant Nösse gab es auch schon zu der Zeit, es hatte aber anfangs nur im Sommer geöffnet. Wegen vermehrter Eisbootfahrten stellte 1903 der damalige Wirt den Antrag, auch im Winter sein Gewerbe ausüben zu dürfen. Mit der Begründung, durch die isolierte Lage würde das Lorenzen`sche Lokal, wenn auch ohne direktes Verschulden des Wirtes, ein Versteck zum Kartenspielen und Trinken, wurde sein Antrag aber negativ beschieden. Erst später obsiegte Lorenzen in der Verwaltungsstreitsache vor dem Amtsgericht in Tondern. Wer sich aber an gewisse Zeiten zurück erinnert, der muß zugeben, dass die damalige Befürchtung nicht ganz unberechtigt war.
 
Da in Erwägung gezogen wurde, das Morsum Kliff als Material zum Bau des Hindenburgdammes zu verwenden, wurde es 1923 mit der über 40 ha großen Heidefläche, dem größten zusammenhängenden Hügelgrabgebiet Schleswig-Holsteins, unter Schutz gestellt. Die südlich davon befindliche Angelkuhle, die in etwa 20 m tief sein soll, war eine Materialentnahmestelle für den Damm. Während der Entnahme soll dort ein solch starker Wassereinbruch von unten stattgefunden haben, dass man ganze Lorenzüge nicht mehr heraus bekam, und sie heute noch dort liegen sollen. Das kleine Morsumer Wäldchen, sowie die am Deich gelegene Wasserfläche Katrevel (neben dem Biikeplatz) entstammt einer Bodenentnahme für den 1936 gebauten Nössedeich. Die anderen großen Wasserflächen und Kleieentnahmestellen für die erst im letzten Jahrzehnt durchgeführte Deichverstärkung.
 
Im Norden gibt es noch das bei Stürmen überflutete Anwachs. Es ist ab 1812 durch ein außerordentlich schnelles Wachstum bis Mitte des 20. Jahrhundert auf etwa 100 ha Größe angewachsen. Für den seit einigen Jahrzehnten wieder eingetretenen Landverlust, geben viele dem Hindenburgdamm die Schuld. Lahnungsbau und Grüpparbeiten sollen nun weiteren Landverlust verhindern.
 
Zum erstenmal wird Morsum als "Mosen Capell" auf der Danckwerthschen Karte von 1240 erwähnt. Weiter dann in einem Zinsbuch des Bistums Schleswig im Jahre 1440. Nach den Baumaterialien der Morsumer Kirche, dem Tuffstein, sind Forscher aber der Meinung, dass die Kirche in etwa um 1170 gebaut worden ist. Ein beim Umbau der Kirche (1931 bis 1933) gefundener Taufstein lässt aber vermuten, dass es auch schon vor dieser Zeit eine kleine Kirche gegeben hat.
 
Vor der Zeit der Grönlandfahrer (in etwa das gesamte 18 Jahrhundert), lebten die Menschen hier von der Landwirtschaft und vom Fischfang. Auch noch bis ins 20. Jahrhundert wurde die Größe der Ländereien nach einem Maß angegeben, das mit der Güte des Bodens schwankend die Ertrags- und Aussaatmöglichkeit angab, nicht aber den Rauminhalt (bei Wiesen waren in etwa 8 Lästal und bei Ackerland 20 Ammersaat = 1 Hektar). Sogar bis 1938 gab es noch die sogenannte "Freie Weide". Das hieß, dass bis 29. September (Michaelis auf friesisch "Mochels Dai") alles Gemüse, Getreide und Viehfutter von den Feldern abgeerntet sein musste. Dann wurden alle Pforten von den eingefriedeten Feldern geöffnet und das Vieh konnte frei herumlaufen. Bis in diese Zeit wurde auch vom Vogt oder vom Gemeinderat festgelegt, dass jeder Bürger Hand- und Spanndienst zu leisten hätte. Das bedeutete, dass jede Person die einen Spaten oder eine Schaufel führen konnte, im Bedarfsfall damit der Gemeinde zur Verfügung stehen müsse. Bei den Bauern war es so, dass sie ein Fuhrwerk mit Pferdelenker oder zwei Personen mit Schaufel oder Spaten zu stellen hatten.
 
Nach dem Walfang fuhren auch immer mehr Morsumer auf Handelsschiffen. Diese Zeit brachte auch nach Morsum mehr Wohlstand. Aber man spricht auch von der Zeit, in der viel unrechtes Geld nach Morsum gekommen ist. Gemeint war damit das Geld, das durch Sklaventransporte verdient worden war. Obwohl die Seefahrt viele Opfer forderte, gab es Morsum über die Jahre gesehen, immer mehr Geburten als Sterbefälle. Als 1744 ein Morsumer Schiff, besetzt mit 92 Syltern nach Hamburg wollte, kenterte dieses durch eine Fallbö vor Westerland. Von den 55 an Bord befindlichen Morsumern ertranken 50. Nur um das Ausmaß dieser Katastrophe zu begreifen, bei diesem einen Schiffsunglück verlor Morsum in etwa dieselbe Anzahl an Männern, wie später in den beiden Weltkriegen zusammen.
 
Morsum war bis etwa 1860 mit 178 Häusern (heute in etwa 500) und 770 Einwohnern (heute in etwa 1250) der größte Ort der Insel. Erst durch den immer stärker einsetzenden Fremdenverkehr im Westen der Insel verlor Morsum an Bedeutung. Und dies, obwohl durch Damm- und Deichbau, sowie auch nach den Kriegen viele hier sesshaft geworden waren. Erst nach 1950 nahm in Morsum auch ganz langsam der Fremdenverkehr zu. Grund dafür war, dass im Westen der Insel für die laufend zunehmende Zahl von Gästen nicht genügend Betten zur Verfügung standen. Es lag aber auch am steigenden Gesundheitsbewusstsein der Urlauber. Sie wollten nicht nur Jubel und Trubel im Urlaub. Sondern genau das, was Morsum zu bieten hatte. Erholsame Ruhe bei weiter Landschaft, guter Sylter Luft und auch den persönlichen Kontakt zu den Vermietern. Das späte Einsetzen des Fremdenverkehrs war aus heutiger Sicht gut, denn dadurch ist Morsum bei weitem nicht so wie die anderen Orte überbaut und überfremdet worden. Und trotzdem verbringen jetzt in Etwa-Zahlen in den 1200 Morsumer Vermietbetten jährlich 12 000 Gäste mit 96 000 Übernachtungen ihren Urlaub und die Zahl der Zweitwohnungsbesitzer ist schon beinahe auf 300 angestiegen.
 
Seit 1970 ist das tausend Jahre alte Dorf aber nur noch ein Ortsteil einer Großgemeinde mit einem nicht gerade schönen Namen "Sylt-Ost". Grund dafür war zum einen die damalige Gebietsreform, zum anderen aber auch die Überredungskunst und Angst der Tinnumer, dass ihr Dorf Westerland zugehörig werden könnte. Morsum hatte zu der Zeit eine neugebaute Hauptschule mit einer Turnhalle, heute nur noch eine Grundschule. Ein neues Feuerwehrgerätehaus mit einem Tank- und Löschfahrzeug. Zum gedenken der Opfer beider Weltkriege hatten die Morsumer 1955 nördlich des Friedhofes ein Ehrenmal errichtet. Es gab eine im Jahr 1908 gegründete eigene Sparkasse, heute gibt es nur noch eine halbtags geöffnete Filiale. Statt einer Poststation gibt es jetzt im Sparladen eine Postagentur. Von drei Kaufmannsläden und zwei Bäckerläden ist jeweils nur einer übrig geblieben. Von den damals über dreißig landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben gibt es jetzt noch vier. Statt zwei Schmiedebetriebe gibt es jetzt noch einen Boots- und Gartentechnikbetrieb. Es gab drei Gastwirtschaften, zwei davon sogar mit Saalbetrieb. Jetzt gibt es fünf Restaurants und ein Cafe, aber Morsum hat keinen Saal mehr.
 
Morsum kann froh sein, dass der Kauf des Grundstückes, sowie der Bau des Muasem Hüs, noch von der alten Morsumer Gemeindevertretung beschlossen worden war. Auf dem niedrigen und teilweise unter Wasser stehendem Grundstück wurde früher im Winter das Eis in großen Eisblöcken auf Fuhrwerke verladen. Dieses Eis benötigten die Westerländer Gastronomiebetriebe zur Kühlung ihrer Sachen. Damaliger Besitzer des Grundstückes war der Wirt vom Sylter Hof (Saalbetrieb) Mit ihm war vereinbart worden, dass kein neuer Saal im neuen Muasem Hüs (Fertigstellung 1989) entstehen dürfe. Vorsorglich wurde aber doch einer eingeplant. Durch eine Überdachung des südlichen Innenhofes sollte dieser schnell entstehen können. Leider ist durch eine von der Gemeinde Sylt-Ost beschlossenen Ortsgestaltungssatzung diese nicht mehr möglich. Insgesamt gesehen sind die erwarteten großen Vorteile durch die Zusammenlegung für Morsum doch sehr bescheiden ausgefallen. Interessant ist auch, dass für nicht genehmigungsfähigen aber erstellten Wohnraum in anderen Sylt-Oster Ortsteilen, in Morsum dafür Grundstücke der Bebauung entzogen wurden. Begründet wurde dies damit, dass ein Rückbau der ungenehmigten Wohnungen für die Hausbesitzer eine Katastrophe bedeuten würde, für Morsum aber das sogar einen Vorteil hätte, denn so würde sich Morsum noch mehr als die Ruhezone der ganzen Insel präsentieren können. Das eine solche Politik aber auch eine Art Sterbehilfe sein könnte, wurde vielen erst viel später bewusst. Jetzt soll durch Ausweisung von Bauland, dass ausschließlich nur der Ansiedlung von jungen Leuten dienen soll, Morsum wieder etwas mehr und junges Leben eingehaucht werden. Nur das vielseitige und aktive Vereinsleben (Gesangverein, Posaunenchor, drei Ringreitervereine, Feuerwehr, Turn- und Sportverein, Landfrauen, Morsumer Kulturfreunde) ist es zu verdanken, daß Morsum ein interessantes Dorf mit einem intakten Dorfleben geblieben ist.
 
Quellennachweis:
Zur Agrargeschichte der Insel Sylt von Julius Christiansen
Das Wasserwesen der S-H Westküste "Sylt" von Prof. Friedrich Müller
Aus der Chronik des Dorfes Morsum von W. Schröder
Schulchronik der Insel Sylt von CP Hansen
Vereinszeitung der Mors.Kulturfreunde "Di Bler", Ausg. Nr. 1.II 1997 7